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Wechseljahre beim Mann: Was hinter dem Begriff steckt

Beim Mann gibt es keinen abrupten Hormonabfall. Der Testosteronspiegel sinkt langsam über Jahrzehnte, und die meisten Beschwerden, die man ihm zuschreibt, haben andere Ursachen.

Stand: 28. Juli 2026

Portraet eines Mannes
Symbolbild · Direct Media, stocksnap · CC0 1.0 (gemeinfrei) · Bildnachweis

Der Begriff „Wechseljahre des Mannes” ist populär und medizinisch unpräzise. Was es gibt, ist ein langsam sinkender Testosteronspiegel, und in seltenen Fällen ein behandlungsbedürftiger Mangel.

Der Unterschied zur Frau

Bei der Frau endet die Funktion der Eierstöcke innerhalb weniger Jahre, der Östrogenspiegel fällt deutlich ab, und die Menopause markiert einen klaren Punkt.

Beim Mann sinkt der Testosteronspiegel ab etwa 40 um ein bis zwei Prozent pro Jahr. Das ist ein flacher, gleichmäßiger Verlauf über Jahrzehnte. Die meisten Männer bleiben dabei lebenslang im Normbereich und werden auch im hohen Alter nicht behandlungsbedürftig.

Ein echter Mangel, medizinisch als Altershypogonadismus bezeichnet, betrifft nur einen kleinen Teil der Männer.

Warum die Zuordnung so oft falsch ist

Die genannten Beschwerden sind unspezifisch. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und nachlassendes Interesse an Sexualität treten bei einer ganzen Reihe von Zuständen auf:

  • Schlafapnoe, häufig und häufig unerkannt
  • Depression
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Übergewicht, das seinerseits den Testosteronspiegel senkt
  • Chronischer Stress und Schlafmangel
  • Medikamentennebenwirkungen, etwa bei Betablockern oder Antidepressiven
  • Alkoholkonsum

Bemerkenswert ist der Zusammenhang mit Übergewicht: Bauchfett wandelt Testosteron in Östrogen um. Der niedrige Wert ist dann eher Folge als Ursache, und eine Gewichtsreduktion kann den Spiegel wieder anheben.

Wie ein Mangel festgestellt wird

Nicht über einen einzelnen Test. Der Testosteronspiegel schwankt im Tagesverlauf erheblich und ist morgens am höchsten. Deshalb wird bei Verdacht morgens nüchtern gemessen und der Wert an einem zweiten Tag bestätigt.

Ein auffälliger Wert allein reicht nicht. Erst die Kombination aus wiederholt niedrigem Wert und passenden Beschwerden begründet die Diagnose. Zusätzlich werden weitere Hormonwerte bestimmt, um die Ursache einzugrenzen.

Von Testosteron-Selbsttests und von Bezugsquellen außerhalb ärztlicher Verordnung ist abzuraten.

Wenn behandelt wird

Eine Testosterontherapie ist bei gesicherter Diagnose eine wirksame Behandlung. Sie erfordert allerdings Kontrollen, unter anderem der Prostata und des Blutbilds, und sie ist bei bestimmten Vorerkrankungen nicht angezeigt. Zudem unterdrückt sie die eigene Testosteronproduktion und die Fruchtbarkeit.

Die Abwägung gehört in urologische oder endokrinologische Hände. Wir geben dazu keine Empfehlung ab.

Was in jedem Fall sinnvoll ist

Bei den beschriebenen Beschwerden lohnt eine gründliche Abklärung, weil die häufigsten Ursachen gut behandelbar sind. Ein Termin mit Blutbild, Blutzucker, Blutdruck, Schilddrüsenwerten und der Frage nach Schlafqualität bringt in der Regel mehr als die Fokussierung auf einen einzelnen Hormonwert.

Unabhängig davon gilt für diese Lebensphase, was auch sonst gilt: Bewegung, Schlaf und Gewicht wirken auf alle genannten Beschwerden ein, siehe Bewegung ab 50.

Häufige Fragen

Gibt es Wechseljahre beim Mann?

Nicht im Sinne einer Menopause. Beim Mann sinkt der Testosteronspiegel ab etwa dem 40. Lebensjahr langsam und kontinuierlich, meist um ein bis zwei Prozent jährlich. Ein abrupter Einschnitt wie bei der Frau findet nicht statt.

Welche Beschwerden werden damit in Verbindung gebracht?

Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Abnahme von Muskelmasse, Zunahme von Bauchfett, Schlafstörungen, gedrückte Stimmung und nachlassendes sexuelles Verlangen. Alle diese Beschwerden haben allerdings zahlreiche andere mögliche Ursachen.

Wann ist eine Testosteronbehandlung angezeigt?

Nur bei nachgewiesenem Mangel in wiederholten Messungen zusammen mit passenden Beschwerden. Eine Behandlung allein aufgrund von Symptomen oder eines einzelnen Laborwerts ist nicht angezeigt und kann Risiken bergen.

Quellen

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Patienteninformationen
  • Deutsche Gesellschaft für Urologie, Leitlinienempfehlungen zum Hypogonadismus des alternden Mannes