Osteoporose: Risikofaktoren, Diagnose und Vorbeugung
Osteoporose tut nicht weh, bis etwas bricht. Deshalb entscheidet nicht das Abwarten von Symptomen, sondern die Kenntnis der eigenen Risikofaktoren.

Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der die Knochenmasse abnimmt und die Knochenstruktur sich verschlechtert. Die Folge ist ein erhöhtes Bruchrisiko, häufig an Wirbelkörpern, Hüfte und Handgelenk.
Das Grundproblem: keine Frühsymptome
Der Knochenabbau selbst verursacht keine Schmerzen. Beschwerden entstehen erst durch Brüche, und Wirbelkörperbrüche bleiben oft unbemerkt, weil sie sich nur als Rückenschmerz oder als Verlust an Körpergröße bemerkbar machen.
Zwei Hinweise, die Beachtung verdienen: Ein Größenverlust von mehr als vier Zentimetern gegenüber früher und ein Knochenbruch nach einem Sturz aus dem Stand, also ohne größere Gewalteinwirkung. Beides sind Gründe für eine ärztliche Abklärung.
Die Risikofaktoren
Nicht beeinflussbar:
- Höheres Lebensalter
- Weibliches Geschlecht und Zeit nach der Menopause
- Frühe Menopause, insbesondere vor dem 45. Lebensjahr
- Hüftfrakturen bei Eltern
- Vorangegangene Fraktur ohne adäquates Trauma
Beeinflussbar oder behandelbar:
- Rauchen
- Hoher Alkoholkonsum
- Bewegungsmangel
- Untergewicht
- Längere Therapie mit Glukokortikoiden, also Kortison
- Bestimmte Grunderkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Diabetes Typ 1, Schilddrüsenüberfunktion oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Häufige Stürze, unabhängig von der Knochendichte
Der letzte Punkt wird unterschätzt: Ein großer Teil der Frakturen entsteht durch Stürze. Sturzprävention wirkt deshalb unabhängig von der Knochendichte.
Die Diagnostik
Die Knochendichtemessung erfolgt als DXA-Messung an Lendenwirbelsäule und Hüfte. Das Ergebnis wird als T-Wert angegeben, der die Abweichung von einem jungen Referenzkollektiv beschreibt.
| T-Wert | Bewertung |
|---|---|
| über minus 1,0 | normal |
| minus 1,0 bis minus 2,5 | verminderte Knochendichte, Osteopenie |
| minus 2,5 und darunter | Osteoporose |
| unter minus 2,5 mit Fraktur | manifeste Osteoporose |
Wichtig: Der T-Wert allein bestimmt nicht die Behandlung. Die Leitlinie stellt auf das geschätzte Gesamtrisiko für Brüche ab, in das Alter, Geschlecht, Vorfrakturen und weitere Faktoren einfließen. Ultraschallmessungen am Fersenbein sind für die Diagnosestellung nicht geeignet.
Was zur Vorbeugung empfohlen wird
Die Leitlinie nennt allgemeine Maßnahmen, ohne dass wir hier eine Wirkung im Einzelfall behaupten:
- Regelmäßige körperliche Aktivität mit Kraft- und Gleichgewichtskomponente
- Ausreichende Versorgung mit Kalzium, vorrangig über die Ernährung
- Ausreichende Vitamin-D-Versorgung, wobei eine Supplementierung individuell abzuwägen ist
- Verzicht auf Rauchen
- Vermeidung von Untergewicht
- Überprüfung der Medikation auf sturzfördernde Wirkstoffe
- Sturzprävention in der Wohnung: Stolperfallen entfernen, Beleuchtung verbessern, Haltegriffe anbringen
Zum letzten Punkt siehe Barrierefreies Bad, da im Bad ein großer Teil der häuslichen Stürze passiert.
Zur Behandlung
Es gibt wirksame medikamentöse Therapien, die das Frakturrisiko senken. Welche in Frage kommt, hängt vom individuellen Risiko, vom Alter, von Vorerkrankungen und von der bisherigen Behandlung ab. Diese Entscheidung gehört in ärztliche Hände, und wir geben dazu keine Empfehlung.
Zu Nahrungsergänzungsmitteln, die mit Knochengesundheit beworben werden, behaupten wir keine heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung. Auch Kalzium und Vitamin D sind nicht beliebig hoch dosierbar; eine unkontrollierte Einnahme kann schaden.
Häufige Fragen
Wie wird Osteoporose festgestellt?
Über eine Knochendichtemessung, meist als DXA-Messung an Wirbelsäule und Hüfte. Das Ergebnis wird als T-Wert angegeben. Ab einem T-Wert von minus 2,5 oder darunter spricht man definitionsgemäß von Osteoporose.
Wer sollte eine Knochendichtemessung machen lassen?
Die Leitlinie empfiehlt eine Basisdiagnostik, wenn das geschätzte Frakturrisiko eine bestimmte Schwelle überschreitet. Anlass sind unter anderem eine bereits erlittene Wirbelkörper- oder Hüftfraktur ohne adäquates Trauma, eine längere Kortisontherapie, bestimmte Grunderkrankungen sowie das Lebensalter in Kombination mit weiteren Risikofaktoren.
Zahlt die Krankenkasse die Messung?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die DXA-Messung, wenn eine ärztliche Indikation vorliegt. Ohne konkreten Anlass ist sie eine Selbstzahlerleistung.
Quellen
- Dachverband Osteologie (DVO), Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Patienteninformationen
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